Das ist Anton Bruckner. Bruckner hatte das Unglück, einen ausgesuchten Feind zu haben - den scharfen und einflussreichen Musikkritiker E.Hanslick - der Bruckner schon deswegen nicht mochte, weil dieser Wagner bewunderte (und von diesem geschätzt wurde). Aber Bruckner hatte auch seine Bewunderer, einen Freundeskreis - aber einen in Teilen problematischen. Sie veranlassten ihn, wiederholt die Sinfonien umzuschreiben. Von der dritten (Wagner gewidmet) gibt es gleich drei Fassungen. Bruckner, die eigene Bedeutung erkennend, gleichwohl stets subaltern, entschlussschwach und verhaltensunsicher, beging den Fehler, dem gutgemeinten Rat der Freunde zu folgen. Mit der Folge, dass er endlos Zeit auf "Verbesserungen" verwandte - und dies mit der fatalen Folge, dass er am Ende nicht mehr die Zeit hatte, die neunte Sinfonie - die gemeinsam mit Beethovens Neunter wohl bedeutendste Sinfonie aller Zeiten - zu vollenden. Der letzte Satz liegt nur in Anfangsskizzen vor.
Die Freunde, Haus elf, Regent, - und Bruckner diesen "verpflichtet" (Steinbock) ausgerechnet im Schöpferischen =. ist ja nicht nur der Durchsetzungszwang etc., sondern auch der Zwang, stets aufs Neue auf den Anfang zurückzugehen. Also "auf ein Neues". Die Freunde haben's gut gemeint, und der stets von Krisen heimgesuichte Bruckner wird froh gewesen zu sein, dass er sie hatte. Aber sie sind verantwortlich dafür, dass die 9. Sinfonie ein Torso bleiben musste.
Die Konj der frühen 20er des 19. Jahrhunderts hat eine Reihe bedeutender Musiker hervorgebracht. ist ja auch die Polyphonie (Bruckner - ein Meister des Kontrapunktes). Da müsste doch eigentlich die Konj. der frühen 90er des letzten Jahrhunderts so langsam einiges an musikalischem Potential hervorbringen?
Hallo Mytho, die Zeit habe ich von Th.Ring (Astr. Menschenkunde, Bd. 3, Anhang). Ring ging mit Geburtszeiten eigentlich immer sorgsam um. Leider nennt er hier keine Quellen. Aber: das tun die Autoren der Astro-Datenbank auch nicht. M.a.W.: woher habe ich da Gewissheiten? Mehr als einmal habe ich da eine diskutable Zeit gefunden - obwohl mit A bewertet. Ich schaue mir das Horoskop die Tage noch einmal in Ruhe an - Daten gibt's reichlich (z.B. in der sehr lesenswerten Biographie Bruckners von W.J.Bekh: "Anton Bruckner. Biographie eines Unzeitgemäßen"). Beste Grüße, Klaus
ZitatJoseph Anton kam um 4:15 Uhr zur Welt und wurde am selben Tag um 17:00 Uhr in der Pfarrkirche zum hl. Valentin getauft. Pfarrarchiv Ansfelden, Taufbuch 04 (IV), Geburten 1819–1826. In: ICARUS4all, Matricula, Bildnummer A20GGGG04_00009 (Taufbuucheintrag S. 12 ist mit einem Rufzeichen [„!“] versehen),
Danke auch, ja, das ist gewiss vertrauenswürdig. Ich habe das Bild oben korrigiert. Höre ich die Musik, dann ist der Löwe-AC präsent - die konzentrische Ordnung der umfassenden Durchführungen. Und ein "Meister der kleinen Formen" war Bruckner gewiss nicht - denkt man an die nicht nur zeitlich weitausgreifenden Dimensionen seiner Sinfonien. Was das Thema "Freunde" angeht: das bleibt im Kern wie beschrieben - Mond als Herr über 11. Grüße, Klaus
___________________________________________________________________ Software etc.www.astroprozessor.eu -> Heimat des Glomph und des astrologischen Lexikons Noch eine Baustelle: www.Sonnenwende-online.eu --> enthält AstroGeo
Die Sinfonie Nr 4 - vielleicht die zugänglichste, da "frischeste" der Brucknerschen - hier mit G.Wand : https://www.youtube.com/watch?v=Htf5_aZ4d7U (Wem's allzu lang ist: das Herzstück, 2. Satz, ab 27:25, - die Bratschen...)
----- Ein langer Disput - wer ist der begnadetste aller Bruckner_Dirigenten... ? Mag ich nicht entscheiden, da wird's Berufenere geben. Was die erwähnte Neunte angeht: da mag ich vor allem die Interpretation von Gennadi Roschdestwenski - das "herbstliche" Timbre der russischen Orchester (u.a. die Leningrader ) kommt / kam der Brucknerschen Neunten sehr entgegen.
Konkret zum Thema: Zum Zählzwang Bruckners, den Elisabeth ansprach: der war in der Tat extrem obsessiv, brachte den Komponisten für Monate in die Heilanstalt. Da kommt mir - und dies mit Blick auf eben Bruckner - plötzlich ein weiteres Mal eines der rätselhaftesten Celanschen Gedichte in den Sinn (ich weiß, hab ich schon einmal eingestreut - anderer Kontext):
Die Zahlen, im Bund mit der Bilder Verhängnis und Gegen- verhängnis.
Der darübergestülpte Schädel, an dessen schlafloser Schläfe ein irr- lichternder Hammer all das im Welttakt besingt.
Dieses findet sich näher erläutert in H.-G. Gadamers Kommentar zu Celans "Atemkristall", dem das obige Gedicht entnommen ist. Hab ich mit Blick auf Bruckner pflichtschuldigst noch zu ergänzen, Nachtrag folgt... Grüße, Klaus
... Es geht hier im Gedicht - wie in der Musik - um das Erleben von Zeit. Das ist in der Deutung Gadamers sehr schön erläutert - kann hier schon aus Platzgründen nicht weiter ausgeführt werden. Die Sprachbilder Celans lassen beim Leser bekanntlich komplexe Bilder entstehen.
Was ist das "Verhängnis", von dem das Gedicht spricht? Das Unheil - in dem Sinne etwa, wie eine Strafe "objektiv" "verhängt" wird. Aber auch: Etwas wird verhängt - und zwar jetzt im wörtlichsten Sinne verstanden: es wird ein Vorhang vor etwas gezogen. Dh. wenn etwas "verhängt" wird, ist dies ein Vorgang, der einen Teil der Wirklichkeit abdeckt. - Hier werden nun Bilder "verhängt". Welche Bilder? Und was nun ist das Verhängnis - und was das "Gegenverhängnis"? Bringen die Bilder selbst "Verhängnis"- oder besteht das Verhängnis darin, dass sie unseren Blicken dadurch entzogen werden, das sie "verhängt"( oder auch "verhangen") sind? Zudem: wieso sind die Bilder "im Bunde" mit den Zahlen? Natürlich geht es hier um das Zählen der verstreichenden Zeit(einheiten). Auf das Zählen (der Einheiten) der vergehenden Zeit weist ja der zweite Teil hin. Auch in der Musik wird gezählt - eben der "Takt" - hier als "Welttakt" vorgestellt. Der Bezug des Gedichtes zur Musik jedenfalls ist eindeutig.
Das Seltsame: das Bild vom Schädel und dessen Schläfen. Und eben das führt zurück zu Bruckner:
Zitat:
Schuberts Schädel Am 12. September 1888 wurden Franz Schuberts sterbliche Überreste auf dem Währinger Friedhof zu Wien geborgen, um in das Ehrengrab auf dem neuen Zentralfriedhof überführt zu werden. Bei diesem Anlasse ward in Anwesenheit einer kleinen Gemeinde von Verehrern auch der Schädel des Liederfürsten wissenschaftlich vermessen, im Lichtbild aufgenommen und dann in den neuen Sarg gelegt. Bruckner war zeitlebens ein glühender Schubertianer und daher auch Zeuge dieser Stunde. In seiner umständlichen schüchternen Weise bat der Herr "Professor" schließlich um die hohe Vergünstigung, den Totenschädel selbst in die Hand nehmen zu dürfen. Zärtlich und lange ließ er die Hand auf ihn ruhen und blieb fortan stolz darauf, als letzter Sterblicher die Gebeine des unsterblichen Schuber berührt zu haben. Bei der Überführung Beethovens handelte Bruckner ganz ähnlich. In inniger Liebe presste er lange und leidenschaftlich den Schädel des großen Symphonikers an sich.
Quelle: Hans Commenda: Geschichten um Anton Bruckner", Verlag H.Muck
Noch ausführlicher ist das beschrieben in der eingangs erwähnten Biographie von W.J.Bekh - der in dem deutlich mehr sieht als eine unterhaltsame Anekdote. Eigentümlich ist ja auch, dass Bruckners markanter Schädel gut sichtbar ist - im Gegensatz zur Mode seiner Zeit, welche eher üppiges Haar (plus Bart - Brahms....) bevorzugte, ließ Bruckner seine Haare äuerst knapp schneiden.
daß Paul Celan Schicksal und Zahlen miteinenader verbindet wundert eigentlich nicht, war er doch Jude,( stammte aus der literarisch so fruchtbaren Bukowina,) hat doch Weinreb dies in "Schöpfung im Wort" ausführlich beschrieben, worauf Theresa ja immer wieder hinweist.
In seiner Lebenszeit mag er wohl Vieles als Verhängnis empfunden haben, siehe auch die Todesfuge, letztlich hat er Selbstmord begangen. Nur nicht alles im Leben ist Verhängnis oder verhangen.
Und der Bruckner war wohl ein bißl nekrophil, Pluto in 8 ?
Hallo Elisabeth, ja, der war definitiv nekrophil - stieg gerne in Keller und Gruben hinab. Aber das hat ja eigentlich keinen unmittelbaren Einfluss auf die Musik gehabt - die ist "mystisch" aber nicht "dunkel-okkult" - würde ich sagen. (- Zu Celans Selbstmord. Das war am 20.04.'70, Hitlers Geburtstag. Aber dass er in den Tod ging, weil er die Shoa nicht "verkraften" konnte, ist nicht wirklich zu belegen. Mancher sagt, er habe den Schock nicht überwunden, den Claire Goll ihm zufügte, als sie Celan des Plagiats bezichtigte.)
Hallo Theresa, Celan ist gar nicht soo schwer - man muss sich nur auf die Metaphern einlassen. - Aber ich will hier nicht dozieren, zudem ging es mir um die seltsame Beziehung zum Thema "Bruckner", nicht um Literatur. Wenn du dich dennoch auf Celan einlassen willst (die meisten kennen ja nur die "Todesfuge"): Hans-Georg Gadamer ("Wahrheit und Methode"): "Wer bin Ich und wer bist Du?, Kommentar zu Celans 'Atemkristall' " - sehr lesenwerte Deutungen des bedeutendsten deutschsprachigen Hermeneutikers (nach wie vor oder wieder in der "Bibliothek Suhrkamp" erhältlich - 12:80 Euro). (Ich würde übrigens nicht vorschnell Celans Verbindung zu den kabbalistischen Traditionen in Abrede stellen. Diese sind durchaus in der Literatur angesprochen worden.) Grüße, Klaus
Mir ging es auch um die Verbindung von Takt und Zahl mit Zeit - und das hat mit Kabbala nichts zu tun, meinem Verständnis nach - da diese ja auf das Zeitlose bzw. Ewige hinweist.
Und eben dies tut das Gedicht ! - auf dem Weg des indirekten Verweises auf den Doppelcharakter der Zahl. Grüße, Klaus
Weiß nicht, ob man das so nennen kann. Vermutlich ja. (Ich könnte den gesamten Text Gadamers hier reintippen.... aber das führt dann weg vom Thread-Thema...).
"Die Zahlen, im Bund mit der Bilder Verhängnis und Gegen- verhängnis."
Ist das nicht eine unheimliche, frappierend genaue Darstellung dessen, was uns die IT-Welten seit - etwa -den frühen 80ern bescheren?